Der Frust der Marokkanischen Jugend
Eine halbe Stunde Autofahrt südlich von Agadir ist vom Charme der Küstenmetropole nichts zu sehen. Wo andernorts Ferienhotels und breite Sandstrände Touristen anlocken, stapelt sich im abgehängten Vorort Ait Melloul Müll. Straßenverkäufer breiten an provisorischen Ständen Obst aus.
Zakaria verkauft auf 10 Quadratmetern in einer Boutique traditionelle Kleider und westliche Plagiatsmode. Mit umgerechnet 300 bis 400 Euro Lohn im Monat kommt der 25-jährige so gerade über die Runden.
Zakaria möchte sich um ein Visum bewerben. Nach seinem Jura-Bachelor hat er in der Region um Agadir keinen passenden Job gefunden. "Wenn ich nicht legal nach Europa einreisen kann, bin ich auch bereit, es auf irregulärem Weg zu probieren."
Migration Wegen Perspektivlosigkeit In Marokko
Als sich Ende Juli 70.000 Personen auf den riskanten Weg nach Ceuta machten, hat Zakaria die massenhaften Grenzübertritte in die spanische Exklave in Nordafrika über die sozialen Netzwerke verfolgt. Etliche Menschen sind beim Fluchtversuch gestorben.
- Ceuta-Krise: Wie junge Geflüchtete zur Verhandlungsmasse werden
- Europas Furcht vor der Ankunft von Migranten
Viele junge Marokkaner und Marokkanerinnen sehen in ihrem Land keine Zukunftsperspektive. In einem Land, in dem die Jugendarbeitslosigkeit hoch ist, der Mindestlohn umgerechnet bei rund 300 Euro liegt und die Kaufkraft zunehmend schwindet. Das Vertrauen, dass die Politik ihr Leben verbessert, haben sie verloren.
Jugend Geht Nicht Wählen
Der Politologe rechnet mit einer geringen Wahlbeteiligung, gerade bei der jungen Generation. Diese mit geringem politischen Interesse gleichzusetzen, sei aber falsch. Die Jugend organisiere sich in Chatgruppen, tausche sich dort über Missstände in der Bildung und im Gesundheitswesen aus. So hat die Generation Z auch während der Straßenproteste im Herbst 2025 landesweit mobilisiert.
Ein Jahr später bleiben Demonstrationen vor der Parlamentswahl aus. Der Staat hat hart durchgegriffen. Laut marokkanischen Menschenrechtsorganisationen sind noch immer mehrere hundert junge Demonstrierende aus dem Protestherbst 2025 in Haft.
Repression Vor Der Parlamentswahl
Vor wenigen Tagen wurden Mitglieder einer zur Wahl zugelassenen Oppositionspartei festgenommen. Sie hatten zum Boykott aufgerufen. Die bisherigen Regierungsparteien, die dem mächtigen König Mohammed VI. nahestehen, haben gute Chancen auch die neue Regierung zu bilden. Vier Jahre vor der Fußball-Weltmeisterschaft im eigenen Land investieren sie in neue Straßen, Stadien und Flughafenterminals. Die Wirtschaft boomt. Beim Großteil der Bevölkerung kommt aber wenig vom Wachstum an.
In Tiznit, im strukturschwachen Süden machen Mohamed und Hamza nächstes Jahr ihr Abitur. Schon jetzt spielen sie mit dem Gedanken, sich für ein Studienvisum in Europa oder China zu bewerben.
Eine irreguläre Flucht kommt für Mohamed nicht infrage. Seine Zukunft aber sieht er wie viele junge Marokkanerinnen und Marokkaner fernab der Heimat.
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Über dieses Thema berichtete das gemeinsame mittagsmagazin von ARD und ZDF in dem Beitrag Marokko: Die verlorene Generation am 23.09.2026 ab 12 Uhr.
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