Mit Böllern und Glasflaschen Gegen den Sparkurs

Mit Böllern und Glasflaschen Gegen den Sparkurs
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Ein sauber gestapelter Haufen mit E-Scootern steht lichterloh in Flammen. Die Scheiben von Bushaltestellen sind zerborsten, Busse mit Graffiti beschmiert. Was als friedlicher Protest gegen den Sparkurs der Regierung gedacht war, eskaliert am frühen Morgen in der belgischen Hauptstadt Brüssel.

Hunderte junge, meist schwarz gekleidete und vermummte Menschen hätten sich unter die Protestierenden gemischt, berichtet die belgische Nachrichtenagentur Belga. Sie warfen mit Böllern, Stöcken und Glasflaschen auf die Polizei, die wiederum Wasserwerfer und Tränengas einsetzte.

Sparmaßnahmen In Milliardenhöhe Nötig

Seit Monaten rufen die Gewerkschaften im Land immer wieder zu Demos gegen die Haushaltsreformen auf, vor allem die Hauptstadt Europas steht dann still: vom öffentlichen Nahverkehr über die Post bis hin zu Schulen und Kindergärten. Bisher lief das ohne Zwischenfälle ab. Auch heute, so die Polizei, verlief der Demonstrationszug selbst friedlich. Doch die Krawalle an französischen Schulen schwappen über bis in den französisch-geprägten Teil von Belgien und nun bis in die Hauptstadt.

Eine Teilnehmerin, Marie Gobert, versteht den Frust: "Man spürt die soziale Spannung und den Ärger, der überall brodelt", sagt die alleinerziehende Mutter gegenüber der Nachrichtenagentur AP.

Schon vor den Sommerferien gab es Proteste an belgischen Schulen - Lehrerinnen und Lehrer, die gegen die Arbeitsbelastung und die drohenden Kürzungen demonstrieren, aber auch Schülerinnen und Schüler, die zum Beispiel fordern, dass die Schulgebäude besser instand gehalten werden.

Verletzte Und Festnahmen Bei Protesten In Lüttich

Ähnlich wie bei den Protesten in Frankreich sind in den vergangenen Tagen bereits Schülerinnen und Schüler in Lüttich, circa 100 Kilometer östlich von Brüssel, nahe der deutschen Grenze, tagelang auf die Straße gegangen. Hier, im französisch-sprachigen Teil Belgiens, fürchten Schülerinnen und Schüler, dass sich durch die Kürzungen die Bedingungen an den Schulen verschlechtern.

Auch dort wurde die Polizei mit Steinen und Feuerwerkskörpern beworfen, es gab Verletzte und mehrere Dutzend Festnahmen. Der belgische Innenminister, Bernard Quintin, hat der Antifa vorgeworfen, die Proteste anzustacheln - was ein Vertreter der Antifa bei der belgischen Rundfunkanstalt RTBF zurückgewiesen hat.

Der Bürgermeister in Lüttich hat seit Donnerstag ein Versammlungsverbot verhängt, das mit hoher Polizeipräsenz durchgesetzt wird und noch bis Freitag andauern soll - dann beginnen die Herbstferien.

Belgien Will Zehn Milliarden Euro Einsparen

Es ist keine leichte Aufgabe, die der belgische Premier Bart de Wever hat: Das kleine Land mit rund 11,8 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern hat Schulden in Rekordhöhe. Bis zu zehn Milliarden Euro müssen im nächsten Jahr eingespart werden. Das bedeutet Kürzungen in allen möglichen Sektoren: bei der Rente, im öffentlichen Dienst und eben auch im Bildungssystem.

Derzeit laufen die Verhandlungen für einen neuen Haushalt. Und am Montag soll wieder gestreikt werden.

Über dieses Thema berichtete ZDFheute Xpress am 09.10.2026 um 19:47 im Beitrag "Zusammenstöße bei Protesten in Brüssel".