Bundestag Will Trisomie-Test Besser Überwachen

Bundestag Will Trisomie-Test Besser Überwachen
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Solche Debatten wie am Donnerstagabend gibt es nur sehr selten im Bundestag. Alle zehn Abgeordneten, die zu den Trisomie-Tests gesprochen haben, waren sich einig - von AfD bis zur Linken. Das war allerdings ein "hartes Ringen", wie es eine Grünen-Politikerin selbst zugab. Bis zur letzten Sekunde wurde verhandelt. Der druckfrische Antragstext musste kurz vor der Debatte erst noch verteilt werden.

Immer Mehr Frauen Nutzen Trisomie-Test

Aber worum geht es genau? Konkret haben die Abgeordneten weder über ein Verbot noch über eine generelle Zulassung des nicht-invasiven Pränataltests (NIPT) entschieden. Seit 2022 wird die Untersuchung von den Krankenkassen bezahlt, wenn ein Frauenarzt oder eine Frauenärztin den Test im Einzelfall für sinnvoll hält.

Die Idee war, dass auch Schwangere mit weniger Geld nicht mehr auf eine gefährlichere Fruchtwasseruntersuchung angewiesen sind. Heute zeigt sich aber: Immer mehr Frauen lassen ihr ungeborenes Kind auf Trisomie untersuchen. 2024 haben das knapp die Hälfte der Schwangeren gemacht. Das geht aus Zahlen der Barmer-Krankenkasse hervor. Ein Jahr zuvor waren es noch 32 Prozent.

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Die Zahlen zeigen auch: Falsch-positive Befunde, die also eine Trisomie anzeigen, obwohl das Kind eigentlich gesund ist, sind wahrscheinlicher als angenommen.

Expertin: Möglicherweise Weniger Kinder Mit Trisomie

Zudem besteht die Sorge, dass durch eine immer breitere Testung Kinder mit einer Trisomie "wahrscheinlich kaum noch zur Welt kommen", so die Medizin-Ethikerin Sigrid Graumann gegenüber ZDFheute.

Diskussionen Bis Zur Letzten Sekunde

Die Abgeordneten haben die Bundesregierung deshalb jetzt mit breiter Mehrheit dazu aufgefordert, den Trisomie-Test besser zu überwachen. Wie viele Schwangere nehmen die Untersuchung wirklich in Anspruch und was sind ihre Gründe? Wie entwickelt sich die Geburtenrate von Kindern mit Trisomie 21? Wie werden die Schwangeren beraten? All das soll bis zum kommenden Sommer erhoben werden.

Darüber hinaus soll eine Expertenkommission eingesetzt werden, die die Bundesregierung bei der "Schaffung einer sachgerechten, ethisch verantwortlichen und rechtssicheren Grundlage" für vorgeburtliche Tests berät.

Diskussionen gab es hinter den Kulissen noch darum, ob die Expertenkommission den Trisomie-Test als Kassenleistung in Frage stellen darf. Die Abgeordneten einigten sich kurz vor der Debatte darauf, dass der Zugang zu einem Pränataltest von Schwangeren "bei einer gerechtfertigten medizinischen Indikation" nicht "erschwert" werden dürfe.

Ethikerin Befürchtet "Qualitätssteuerung Unseres Nachwuchses"

Für die Medizin-Ethikerin ist der Beschluss ein richtiger Schritt. Es brauche jetzt eine "umfassende und seriöse Datengrundlage", so Sigrid Graumann. Das reiche aber noch nicht aus.

Laut Graumann ist davon auszugehen, dass in Zukunft auch viele andere "Behinderungen und genetische Anlagen" schon vor der Geburt erkannt werden können. Damit würden sich solche Untersuchungen zu einer "Qualitätssteuerung unseres Nachwuchses" entwickeln, "die mit Vorstellungen von Gleichheit, mit Vorstellungen von Wertschätzung und Diversität nicht mehr viel zu tun haben".

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Beschluss Rechtlich Nicht Bindend

Wie es jetzt weitergeht, ist noch offen. Der Antrag ist vom Bundestag zwar beschlossen, rechtlich bindend ist er aber dennoch nicht, da es sich nicht um ein konkretes Gesetz handelt. Trotzdem ist davon auszugehen, dass die Bundesregierung den Antrag umsetzt, da auch die große Mehrheit von Unions- und SPD-Abgeordneten zugestimmt hat.

Über dieses Thema berichtete das heute journal update am 08.10.2026 ab 00:30 Uhr.